Blickfelder 2000

Schlussbericht

Vom 15. März bis zum 2. April 2000 sind die 8. Blickfelder über die Bühne gegangen ? mit einem um mehrere Städte erweiterten Netz von Veranstaltern, mit einer designierten Programmgruppe sowie mit diversen Änderungen und Retuschen gegenüber den ersten sieben Austragungen. Das neue Modell hat dem nun für alle zwei Jahre geplanten Festival zu einem schwungvollen Neubeginn verholfen.

Das Theaternetzwerk Blickfelder 2000 hat an die Tradition der vergangenen Festivals angeknüpft: mit wichtigen, starken Aufführungen aus der Schweiz und dem Ausland zeigte es ein Panorama des aktuellen Theaters für Kinder und Jugendliche, das erneut auch viele erwachsene Theaterinteressierte zu begeistern vermochte. 41 Produktionen von 34 Gruppen kamen zur Aufführung, die insgesamt 236 Veranstaltungen wurden von über 17?000 Besucherinnen und Besuchern verfolgt, rund 2/3 des Publikums waren Schülerinnen und Schüler. Die Organisatoren und Veranstalter zeigten vom Ergebnis erfreut: Waren die Vorstellungen für Schulklassen jeweils vor- und nachmittags praktisch ausverkauft, wurden die öffentlichen Vorstellungen recht gut besucht.

Die erstmals von einer Programmgruppe ausgewählten Stücke deckten ein weites Feld von Theatersprachen und Themen für Kinder und Jugendliche ab. Einen Schwerpunkt des diesjährigen Festivals bildete das europäische Objekt- und Figurentheater. Dabei war der eigenwilligen Inszenierung von ?Faust ? eine Höllenfahrt in 13 Bildern? vom Puppentheater der Stadt Halle mit ausverkauften Vorstellungen ein grosser Erfolg beschieden. Aussergewöhnliche Darbietungen in diesem Fach boten das Meininger Puppentheater mit einer multimedial erzählten Geschichte des ?Standhaften Zinnsoldaten?, die Belgierin Agnes Limbos mit ihren ?Kleinen Geschichten? und ?Roten Geschichten? sowie Tristans Kompagnons mit einer zeitgemäss-frechen Umsetzung von Wagners ?Ring?.

Hervorzuheben im Kindertheaterbereich waren die jüngste Produktion des Vorstadt-Theaters Basel, ?Knigges Erben? sowie das Zweipersonenstück der holländischen Gruppe Wederzijds, ?Vielleicht werd? ich ein Schwan?, das in hautnahem Kontakt mit den Kindern im Schulzimmer spielte. Sehenswertes Theater für und mit Jugendlichen boten die Stücke ?K?Dar? der belgischen Tanzcompagnie Hush Hush Hush, ?Die Schaukel? vom Jungen Theater Basel und ?Um 180°? von Molteni tanzt, in welchen die jungen Zuschauer mit ihrem nicht immer einfachen Alltag konfrontiert werden.

Viel Lob ernteten die zwei Festivalpremieren: Dem Urgestein des Schweizer Kindertheaters, Peter Rinderknecht, gelang mit ?Portofino-Ballade? ein weiteres berührendes Stück übers Loslassen und Vertrauenfinden, und das junge.theater.zürich versuchte mit Live-Aufnahmen und Videoschnitten eine Neuinterpretation von Eugène Ionescos ?Unterrichtsstunde?.

Die Werkschauen von Gyula Molnar und Pippo Delbono, zwei hierzulande kaum bekannten Namen, fanden ein begeistertes Publikum: Molnars Poesie des Alltäglichen sowie die Kraft und Eleganz der meist körperlich und geistig behinderten Schauspieler in Delbonos Stücken schenkten dem Festival unvergessliche Theatermomente.

Publikumspreis
In Zürich wurde erstmals ein ?Publikumspreis? verliehen. Fünf Jugendliche eines Gymnasiums wählten dafür die erwähnte ?Faust?-Inszenierung sowie das Stück ?Personnages?, in welchem sich die geistig behinderten SchauspielerInnen der Compagnie de l?Oiseau-Mouche mit Pirandellos ?Sechs Personen suchen einen Autor? beschäftigen.

1. Premio-Förderpreis
Erstmals verliehen wurde mit dem PREMIO ein Nachwuchspreis für junges Theater. Das siegreiche Projekt mit dem Namen ?Begatten und Bestatten gestattet? von Lukas Holliger und Ursina Greuel wurde in der Roten Fabrik von einer Jury gekürt und erhielt den Förderpreis in der Höhe von Fr. 20'000.? sowie Gastspielmöglichkeiten nach Projektvollendung. Eine besondere Erwähnung verdiente sich die Basler Gruppe ?City Attack?, ein weiteres von sechs für das Final ausgelesenen Projekten.

Festivalzentrum in Zürich
Blickfelder 2000 verfügte erstmals über ein Festivalzentrum ? im Zeughaus 5 hinter der Kaserne Zürich entstand ein Ort der Begegnung mit einer Reihe von Veranstaltungen und einer aussergewöhnlichen Ausstellung: ?Gli armadi sensibili?, eine von verschiedenen Künstlern gestaltete ?Schrankwelt? kam nach erfolgreichem Debüt an der Biennale von Venedig nach Zürich. Fantasie und Sinne vor allem von SchülerInnen wurden hier im Rahmen von Theatertagen ganz besonders herausgefordert und boten die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur.

Blickfelder 2002national
Die nächsten Blickfelder sind für das Jahr 2002 geplant, und die Organisatoren beabsichtigen, nach dem erfolgreichen Einbezug der Kantone Aargau, Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Thurgau sowie des Fürstentums Liechtenstein eine Ausweitung auf die Romandie und das Tessin und damit das erste nationale Festival.

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